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Mein Stimmkreis

Politiker
Politiker Helmut Markwort

Viele wundern sich, warum ein Mensch, der seit 52 Jahren in der schönen Landeshauptstadt München lebt, plötzlich im Landkreis für die FDP kandidiert. Darüber hätte ich mich im April auch noch gewundert.
Ich habe keine Direktkandidatur angestrebt und wollte relativ gemütlich auf der Liste kandidieren. Die Parteifreunde in München-Bogenhausen hatten mich nominiert, und die oberbayerischen Delegierten hatten mich auf Platz 32 der Liste gewählt.
Alle Regularien waren erfüllt, alle Kandidaten begannen mit dem Druck ihres Werbematerials, und ich verbreitete meine Platzziffer 32. Plötzlich, Mitte April, geriet die ganze Ordnung durcheinander. Einer der Kandidaten, der für die FDP schon im Landtag gesessen hat, hielt es für richtig, zur CSU überzulaufen. Ilse Aigner, die stellvertretende Ministerpräsidentin von Bayern, und der Generalsekretär der CSU, feierten den Zugang mit einer Pressekonferenz in Funk und Fernsehen. Die CSU lobte sich. Die FDP hatte ein Problem zu lösen.
Der Überläufer hinterließ zwei Lücken: den Platz 16 auf der oberbayerischen Liste und den Stimmkreis München-Land-Süd. Der Kreisverband der FDP suchte einen neuen Kandidaten.
Jemand kam auf die Idee, mich zu fragen, ob ich einspringen wolle. Andere Parteifreunde schlossen sich an. Ein „friendstorm" setzte ein. In mir stritten pro und contra. Den tapfer kämpfenden Kreisvorsitzenden konnte ich nicht beeindrucken. Ich wies ihn darauf hin, dass ich von den Problemen des Landkreises nicht genug wisse und dass ich eine Theaterverpflichtung in Mainz zu erfüllen hätte. Probentermine mit dem Ensemble waren schon vereinbart.

Ralph Peter Rauchfuss ließ sich nicht erschüttern. Sein Hauptargument: Meine Bekanntheit durch FOCUS und zehn Jahre Sonntags-Stammtisch im BR könnten der FDP zusätzliche Stimmen bringen. Also musste ich mit mir selber kämpfen.

Ich sah die Strapazen vor mir, erkannte, dass sich mein Leben ändern und mein Ruhestand um eine weitere Episode verschieben würde. Schließlich stimmte ich zu. Zu verführerisch klang dem alten Zirkuspferd die Musikkapelle in den Ohren: Auf in den Kampf.

Dann war ich mitten drin. Nach einer Kampfabstimmung (31:11) gegen einen ehrenwerten jüngeren Kandidaten aus dem Landkreis freundete ich mich schnell mit meiner neuen politischen Heimat an. So oft ich konnte, besuchte ich die 16 Gemeinden, die zusammen einen Spitzenstandort in Wirtschaft und Wissenschaft darstellen. Der Landkreis München ist der wirtschaftsstärkste der ganzen Bundesrepublik.
Die Medien schreiben vom „Speckgürtel” um München, obwohl erst die gesamte Metropolregion von Land und Stadt die zentrale Bedeutung unserer Heimat darstellt. Die FDP ist in meinem Stimmkreis gut vertreten. Überall traf ich sachkundige Gemeinderäte, die mich unterstützten und Ortsverbände, die mit Schwung den Wahlkampf organisierten. Viele Bürger, die ich auf der Straße und bei Veranstaltungen traf, begrüßten meinen Einsatz und ermunterten mich. Ich hatte gute Gefühle. Es waren sechs aufregende und ereignisreiche Monate. Jetzt sitze ich als einer von elf Abgeordneten der FDP im Bayerischen Landtag.
 

Wahlkreis München-Land & Oberbayern
Stimmkreis 124: München-Land-Süd (gelb)